16 Jahre EDV im Landkreis Peine!
Entwicklung der EDV beim Landkreis Peine
Das Jahr 1990 kann man zum Anlass nehmen, um von einem entscheidenden Umbruch in der EDV beim Landkreis Peine zu sprechen.
Bislang wird mit einem zentralen Verwaltungsrechner gearbeitet, auf dem das Betriebssystem Kienzle-MTOS läuft und der einige Hauptaufgaben der Verwaltung, nämlich Haushalts-, Kassen- und Rechnungswesen, Personalabrechnung, Zahlbarmachung der Sozialhilfe und Gasölbetriebsbeihilfen, sowie Darlehensverwaltung und Wahlen, abdeckt.
Die heute kaum mehr vorstellbare Zahl von lediglich 29 Endgeräten (Bildschirme und Drucker), die mit dieser Anlage maximal bedient werden können, decken längst nicht mehr die begehrten Wünsche der Verwaltung nach mehr und neueren Programmen ab.
Das Straßenverkehrsamt entscheidet sich im Laufe des Jahres für
einen IBM-Rechner AS400. Die Kreisvolkshochschule und das Abfallwirtschaftsamt entscheiden sich aufgrund ihrer zu verwendenden Software für eigenständige PC-Lösungen.
Als Ergänzung zur MTOS-Anlage wird für den Hauptteil der Verwaltung ein UNIX-Rechner 2850 angeschafft um den Umstieg des Personalabrechnungssystems auf PAS V5-öV-UX und vor allem der Einführung des Ämterübergreifenden Bürokommunikationssystems KIOFFICE-UX zu gewährleisten.
Die MTOS-Anlage wird weiterhin für Haushalt und Kasse, Vollstreckung, OWIG, Auswertungen und die PROSOZ-Pakete genutzt.
Im Laufe des Jahres 1991 kommen dadurch 68 Bildschirmarbeitsplätze hinzu, nicht zu vergessen etliche Drucker, Personalworkstations (PWS), PCs, Laptops und zum Netzwerk gehörende Vermittler.
Zur Verwaltung und Betreuung dieser Komponenten und Software-Produkte wird in diesem Zeitraum das EDV-Personal von ursprünglich drei, auf zunächst vier und dann sechs Personen aufgestockt.
Nicht vergessen werden darf der enorme Aufwand zum Aufbau eines zukunftsweisenden EDV-Netzwerkes, welches der sich kolossal verändernden EDV-Welt gerecht werden muss. Die damals auf der Grundlage eines KIDAN-Netzwerkes eingesetzten unintelligenten Bildschirmarbeitsplätze werden mit zunehmender Geschwindigkeit von der fortschreitenden technischen Entwicklung und dem gleichzeitigen Preisverfall bei Personalcomputern verdrängt. Hochwertige Standardsoftware wird zu günstigen Preisen angeboten und Client-Server-Anwendungen erobern den Markt. Hierfür ist ein lokales Netzwerk (LAN) notwendig, welches nach und nach das ganze Kreishaus erfassen musste.
Immer mehr Insellösungen auf PC-Ausrichtung kommen hinzu.
Mitte 1991 beginnt der Echtbetrieb mit dem Sozialhilfe-Dialog-Verfahren PROSOZ in einem eigenen Netzwerk mit eigenem Fileserver, 27 PCs und 25 Druckern. Hierfür kommt dann auch ein Mitarbeiter für die direkte Betreuung vor Ort dazu.
1992 werden die laufenden Verfahren ausgebaut und verbessert, insbesondere das Bürokommunikationsverfahren. Doch die vorhandene UNIX-Anlage mit seinen maximal anschließbaren 128 Endgeräten kommt auch schon wieder an seine Grenzen.
Daneben werden weitere Einzelplatz-Verfahren, z.b. für die Statikprüfung im Bauordnungsamt, Überwachungsverfahren in der unteren Wasserbehörde, sowie Ausschreibungsverfahren im Straßenbau, eingeführt.
Ende 1992 wechselt für die umfangreiche Datensicherung die Fileserver-Zuständigkeit mit Einführung von NOVELL 3.11 vom Amt 50 zur EDV.
Die Planung der Umstellung des HKR-Verfahrens auf das UNIX-Bertriebssystem ergibt bereits fehlende Kapazitäten auf dem UNIX-2850-Rechner. Deshalb wird Mitte 1993 ein weiterer leistungsfähigerer UNIX-2865-Rechner in Betrieb genommen. Damit können jetzt insgesamt ca. 120 Bildschirmarbeitsplätze plus zugehöriger Peripherie eingerichtet werden.
Diese Rechnererweiterung schafft unter anderem Platz für die Umstellung des Haushalts- und Kassenwesens und die weitere Ausweitung des Bürokommunikationsprogramms KIOFFICE-UX. Sie schafft aber auch Entlastung auf den anderen Rechnern zum besseren Einsatz der dort verbleibenden Softwarepakete, zum Beispiel eine effizientere Arbeit im Ordnungsamt, insbesondere durch Anbindung der Bußgeldstelle an die Kreiskasse und Ermöglichen des Datenträgeraustauschs mit dem KBA.
Weiterhin ermöglicht die EDV im eigenen Schulungsraum laufend Personalschulungen, insbesondere im Bereich des Bürokommunikationssystems KIOFFICE-UX, durchzuführen.
Aber auch die Mitte 1994 begonnene Testphase für das automatisierte Anordnungsverfahren erfordert laufend Schulungen aller damit betroffenen Mitarbeiter.
Weiterhin zeichnet sich ab, dass der Fileserver des Sozialamtes für weitere PROSOZ-Anwendungen nicht mehr ausreicht und es wird ein neuer leistungsstärkerer Server angeschafft.
Ebenfalls steigt die Nachfrage nach weiteren PC-Anwendungen und die vollständige Verkabelung des Kreishauses mit einem lokalen Ethernet Netzwerk wird Anfang 1995 fertiggestellt.
1995 kann man als Beginn der Jahre des PCs beim Landkreis Peine bezeichnen. Bis Ende des Jahres kommen 53 neue Einheiten dazu. Einhergehend damit setzt sich immer mehr das Betriebssystem WINDOWS durch und damit auch MS-OFFICE Anwendungen.
Die Auslastung des EDV-Personals bedingt deshalb den enormen Schulungsbedarf auf die KVHS abzuwälzen.
Für das Bauverwaltungsamt werden ein eigener Rechner und das Programm MABAU angeschafft.
Das Jugendamt führt die Verfahren PROSOZ-UVG und Bundeserziehungsgeld ein und Ende des Jahres wird dann der Systemverantwortliche Mitarbeiter vom Sozialamt zur zentralen Wahrnehmung aller Aufgaben und Bereiche in die EDV versetzt. Diese besteht nun aus insgesamt sieben Mitarbeitern.
1996 kommt im Bereich des Jugendamtes das Verfahren PROSOZ-M dazu und der Systemverantwortliche entwickelt MS-ACCESS Datenbank-Anwendungen für die Krankenhilfe und für Quartalsabrechnungen.
Zur Erhöhung der Datensicherheit und für die schnellere Datenwiederherstellung wird ein gespiegelter NOVELL Fileserver für mittlerweile 79 Benutzer eingerichtet.
Wieder einmal zeigt sich wie schnell Rechner „veralten“. Der mittlerweile älteste UNIX-2850-Rechner genügt nicht mehr den Anforderungen an zügiges Arbeiten und wird daher gegen einen leistungsfähigeren, schnelleren und mit mehr Plattenkapazität ausgestatteten DITEC-ALPHA-Rechner ausgetauscht.
Nun kann auch ein Ratsinformationssystem und die Software KORECO für die Kosten- und Leistungsrechnung und das Controlling angeschafft und der Einsatz vorbereitet werden.
Im Bauamt wird die auf Windows basierende Ausschreibungs-, Vergabe- und Abrechnungssoftware WIN-AVA auf einem eigenen Server und mit 11 beschafften PCs zur Verfügung gestellt.
Weitere PC-Anwendungen wie Gasöl-Betriebsbeihilfen (MIGAS) und Waffenrecht kommen dazu.
Am Ende des Jahres zeigt sich, dass die Zahl der „unintelligenten“ Bildschirmarbeitsplätze gegenüber den eingesetzten PC-Arbeitsplätzen immer mehr abnimmt.
Dies ist auch notwendig, da sich für 1997 abzeichnet, die Umstellung vom bisherigen Bürokommunikationsprogramm KIOFFICE-UX auf das WINDOWS-basierende MS-OFFICE zu vollziehen. Gleichzeitig wird begonnen, zur Kommunikationsverbesserung innerhalb der Verwaltung, ein Mail-System zu installieren.
WINDOWS setzt sich auch bei anderen Programmen immer mehr durch und im Ordnungsamt wird auch das Bußgeldverfahren darauf umgestellt.
Bis zum Jahresende sind dann ca. 220 PC-Arbeitsplätze an das Netz angeschlossen, eingerichtet und eine Vielzahl von Mitarbeitern auf diese neuen Programme im ebenfalls neuen Schulungsraum im neuen EDV-Bereich geschult worden.
Ein Teil der in 1997 begonnenen Maßnahmen setzen sich in 1998 und 1999 fort, insbesondere die weitere PC-Ausstattung, so dass insgesamt schon 366 PCs eingesetzt werden.
Hierbei nicht berücksichtigt sind die auf eigenen Schienen fahrenden Sonderbereiche Kreisvolkshochschule und Abfallwirtschaft, sowie der Fachdienst Straßenverkehr, mit zum Teil eigener Server und PC-Ausstattung.
Nichtsdestotrotz werfen zwei einschneidende Maßnahmen ihre Schatten auf die Aufgaben der EDV voraus.
Zum einen ist das schon einmal modernisierte und immer wieder erweiterte Hausnetzwerk erneut an seine Grenzen gestoßen. Die Datendurchsatzraten passen nicht mehr zu den Erfordernissen und führen auch zu permanenten Störungen im Serverbereich. Nach intensiven Planungsarbeiten, komplizierten Ausschreibungsformalitäten und dann umfangreichen baulichen Maßnahmen, wird in nur drei Monaten ein neues Netzwerk erfolgreich und sämtliche vorherigen Störungen beseitigend in Betrieb genommen.
Zum Zweiten steht der vielbefürchtete Jahrtausendwechsel an und erfordert vom EDV-Personal schon ab Mitte 1998 umfangreiche Recherchen und Checks in Zusammenarbeit mit den Herstellern von Hard- und Software. Es folgen zeitintensive Bestandserhebungen und Analysen, sowie Updates für Betriebssystem- und Datenbanksoftware. Diese intensiven Vorarbeiten führen dann aber auch zum erfolgreichen und problemlosen Jahreswechsel.
Kaum ist dieser Kraftakt bewältigt, zeichnet sich schon ein wahrscheinlich noch größerer Brocken ab. In der EDV laufen zwei unterschiedliche Betriebssysteme, nämlich UNIX für das Haushalts-/Kassenwesen und Lohn/Gehalt, sowie unter Netware alle übrigen Windows-Anwendungen.
Auslaufende Leasingverträge für die UNIX-Rechner und die zum 31.12.2001 anstehende Euro-Fähigkeit, die das Haushalts- und Kassenprogramm definitiv nicht leisten wird, zwingen weitvorausschauend zur Planung und rechtzeitigen Umsetzung eines grundlegenden Basis- und Migrationkonzeptes für den Landkreis Peine auf ein neues zukunftsweisendes Betriebssystem.
Unter Zuhilfenahme externer Berater wird sich für Windows 2000 Server/Advanced Server als bevorzugtes Zielbetriebssystem für die Serverumgebung und Windows 2000 Professional für die sukzessive Umstellung der Workstations entschieden. Punkte wie angebotener File-, Print- und Applikationsservice, Terminalserverfunktionalität, Weiterentwicklungen für zukünftigen Hard- und Softwaresupport durch Microsoft, vereinfachte Administration, Datenbankplattform Microsoft SQL-Server und die Microsoft Verwaltungsstruktur Active Directory sind ausschlaggebend dafür.
Aufgrund der zwingend notwendigen europaweiten Ausschreibung erfolgt dann letztendlich erst Anfang bis Mitte 2001 der Aufbau des neuen Systems mit drei Terminalservern im Loadbalancingbetrieb, einem Datenbankserver, einem File- und Printcluster, einem Backup-Server und einer Tape-Library.
In diesem Zusammenhang wird dann auch noch eine neue Mailumgebung und Internetanbindung über Exchange-, Proxy- und Firewall-Server verwirklicht.
Nur die wichtigsten oder hausumfassenden und absolut terminalserverfähigen Softwareprodukte werden auf die empfindlichen Terminalserver installiert.
Dies sind natürlich das gesamte H+H Programmpaket mit dem Haushalts-, Kassen- und Anordnungswesen, der KLR und KVV, sowie der Lohn-/Gehalt-Software von D-Soft, das umfangreiche Microsoft Office Paket und vor allem die alle erreichenden Mail-, Intranet-, Internet- und Druckdienste. Daneben noch ein paar terminalserverfähige Programme wie ADVIS, Balvi und Vollkom. Viele andere Programme nutzen nur einen Teil der neuen Umgebung, nämlich den File-Cluster, und werden lokal auf den Win2000-Client-Rechnern eingesetzt.
Anfang 2002 wird der bisherige File- und Print-Cluster entlastet und zusätzlich ein reiner Print-Cluster eingerichtet.
Im August 2002 kommt ein vierter Terminalserver dazu, um Belastungsspitzen zu entzerren.
Schon zu diesem Zeitpunkt wird laufend versucht Außenstellen an das hiesige Netzwerk anzubinden und in die Serverumgebung zu integrieren. Dies scheitert jedoch sinnvoll sehr oft an leistungsfähigen und standfesten Verbindungen.
Zunächst wird die Anbindung des Veterinäramtes in der Hopfenstrasse umgesetzt. Es folgen die EZB in der Schützenstrasse und der Baubetriebshof im Pappelweg.
Das Gesundheitsamt wird ab September 2004 über Lichtwellenleitung angeschlossen.
Das Straßenverkehrsamt, sowie FTZ, FEL und Kat-S-Gebäude ebenfalls über Lichtwelle im September 2005, nachdem die seit 2001 bestehende Verbindung über 2 MB Standleitung nicht brauchbar als Verbindung bezeichnet werden konnte.
Über eine Internetverbindung werden nun auch die drei Bereiche der BBG angebunden.
Nach der Fertigstellung des neuen Gebäudeteils F Ende 2005 wird vorerst die letzte „Außenstellen-Verbindung“ hergestellt.
Mitte 2004 werden drei weitere Terminalserver angeschafft, da die ständige durchschnittliche Nutzung bei ca. 280 Usern liegt und damit die bisherigen vier Terminalserver überlastet sind.
Es steht auch der Einsatz neuer Programme im FD34, FD32, FD27 und FD26 an.
Durch die fundamentale Aufgabenerweiterung des FD Soziales und dem neuen FD Arbeit wird mit dem Bezug des neuen Gebäudeteils auch der enorm gewachsenen Zahl an Usern Rechnung getragen und noch drei weitere Terminalserver und ein neuer Datenbankserver in Betrieb genommen.
Hierfür und für die komplette Anbindung und Betreuung des Straßenverkehrsamts erfolgt auch erstmals wieder eine Personalaufstockung um 1,5 Stellen.
Umfangreiche und wachsende Datenmengen müssen auch für den Fall der Fälle gesichert werden und erfordern ein neues Datensicherungs-Laufwerk und einen dazugehörigen Server. Nur so ist sichergestellt, dass der Nachtzeitraum zum Sichern ausreicht und der Dienstbetrieb nicht gestört wird.
Insgesamt 8,5 Stelleninhaber/innen in der EDV teilen sich ein umfangreiches und anspruchsvolles Aufgabengebiet, welches insbesondere Anforderungen an eine sehr hohe Verfügbarkeit stellt.
Ohne das Handwerkszeug Bildschirm, Tastatur und Maus läuft in der modernen Verwaltung auch nichts mehr und so muss die EDV für die im Hause zwar wahrgenommene aber im Aufwand nicht unbedingt sichtbare Verfügbarkeit sorgen.
Fakten wie 31 Server, unterbrechungsfreie Stromversorgung hierzu, umfangreiches Netzwerk mit 23 Stützpunkten, ca. 140 unterschiedliche Softwareprodukte, 417 Nadel-, Tinten- oder Laser-Drucker, 333 PCs mit Pentium I bis Pentium IV und 222 Windows-Base-Terminals sprechen für sich, werden den insgesamt ca. 555 Usern zur Verfügung gestellt und müssen einschließlich der letztgenannten betreut werden.
Freiwillige Erreichbarkeit der EDV von morgens 07:00 Uhr bis nachmittags 17:00 Uhr über Mail an Support oder eine Hotline per Telefon trägt dem Servicegedanken schon seit Jahren Rechnung und wird laufend, z.B. durch Einführung eines sogenannten "Helpdesk“, verbessert.
Über VPN-Verbindungen (Virtual Private Network) können das EDV-Personal, z.B. vom privaten Heimnetzwerk aus, im Firmennetzwerk tätig werden. Dieses wird unter dem Begriff Telearbeit auch immer mehr von Mitarbeiter/n/innen aus dem Hause genutzt.
Weitere zukunftsweisende Projekte stehen schon an oder sind in Angriff genommen worden.
Der Auftritt und die Darstellung des Landkreises Peine mit seinen einzelnen Bereichen in einem Intranet und dann letztendlich auch im Internet ist in vollem Gange. Mehr und umfangreicheren Service nicht nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, sondern auch den Bewohnern des Landkreises Peine mit ihren Anliegen und Fragen, zur Verfügung zu stellen steht an erster Stelle.
Ein weiterer Terminalserver wird zur Verfügung gestellt, um ein Projekt zur Anbindung von Gemeinden und Schulen des Landkreises zu unterstützen.
Neue Produkte wie z.B. Windows Server 2003, Office 2003 oder SQL Server 2005 haben schon Einzug gehalten oder stehen vor den Windows.
Virtuelle Server, Bladeserver oder ähnliches sind im Gespräch und nichts ist so schnell veraltet, wie EDV!
"Ich denke, dass es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer gibt." (Thomas Watson, CEO IBM, 1943 - gefunden in der Frankenpost)
Packen wir’s an
Ihr EDV-Team